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Der Berliner Presse Club e.V. kann im Jahr 2002 auf sein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken.
Er wurde 1952 von führenden Publizisten und den damaligen Berliner Chefredakteuren gegründet,
um die Publizistik der Hauptstadt zu repräsentieren und den Dialog mit der Politik zu pflegen.
Die Gründer waren: Dr. Johann B. Gradl, Gerhard Grindel, Walter Kahnert, Walther Karsch,
Maximilian Müller-Jabusch, Erik Reger und Dr. Franz Rupp.
Im Anschluß an die Gründung am 5. Juni 1952 im Hotel am Zoo wurde folgende Meldung an dpa gegeben:
Berliner Presse-Club gegründet
Führende Berliner Publizisten aus Presse, Rundfunk, Literatur und dem Buchverlag haben den Berliner
Presse-Club gegründet. Der Club soll die Berliner Publizistik repräsentieren, entsprechend den
besonderen Aufgaben, die ihr aus der Stellung Berlins als deutscher Hauptstadt zukommen. In
zeitgemäß gewandelter Form wird der Club die Tradition des einstigen Vereins Berliner Presse
fortführen...
Zum ersten Vorsitzenden wurde Walther Karsch gewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden
Dr. Franz Rupp. Das Amt des Schriftführers übernahm Walter Kahnert und Schatzmeister wurde
Dr. Johann B. Gradl, der dieses Amt bis 1964 inne hatte.
Schon bald wurden auch die wichtigsten Korrespondenten überregionaler Zeitungen und Rundfunksender
in den Kreis der Mitglieder aufgenommen. Dies macht bis heute und gerade jetzt eine entscheidende
Qualität dieses Hauptstadt-Presseclubs aus. Ihm gehören nicht nur eine große Zahl angesehener
Korrespondenten von Zeitungen und Sendern aus dem In- und Ausland an, sondern eben auch viele
Repräsentanten der Hauptstadt-Medien an. Anders als etwa beim Deutschen Presseclub, der nur
bundespolitische Korrespondenten zu seinen ordentlichen Mitgliedern zählt.
Die heutigen Mitglieder des Berliner Presse Clubs (etwa 150 klangvolle Namen) stehen in einer
großen Tradition und in der Nachfolge von Publizisten wie Prof. Emil Dovifat, Frank E.W. Drexler,
Dr. Johann B. Gradl, Dr. Hans Hirschfeld, Walther Karsch, Ernst Lemmer, Franz Karl Maier,
Maximilian Müller-Jabusch, Erik Reger, Dr. Jürgen Reiss, Arno Scholz, Karl Silex, Hans Sonnenfeld
sowie Heinz und Karl Ullstein, um nur einige Namen der Gründer-Generation zu nennen.
Da es sich bei den Veranstaltungen des Berliner Presse Clubs in der Regel um vertrauliche
Hintergrundgespräche handelt, tritt der Verein öffentlich kaum in Erscheinung, entfaltet aber
gewissermaßen hinter den Kulissen eine umso größere Wirksamkeit. In den Veranstaltungen des
Clubs spiegeln sich fünf Jahrzehnte einer wechselvollen Geschichte, die von den Mitgliedern
publizistisch begleitet wurde. Dabei spielten die Folgen der Spaltung Deutschlands und die
Hoffnung auf ihre Überwindung immer eine besondere Rolle. West-Berlin verstand sich als
Hauptstadt im Wartestand, gesichert durch die Schutzmächte. Der Aufstand des 17. Juni
in der DDR, das Chruschtschow-Ultimatum, der Bau der Mauer, aber schließlich die neue
Ostpolitik und die Viermächte-Vereinbarungen sind nur Stichworte für dramatische
Entwicklungen. Namhafte Mitglieder des Berliner Presse Clubs haben als Korrespondenten
in der DDR unter schwierigen Bedingungen Zeitgeschichte geschrieben. Für die Entwicklungen
in Ost- und Mitteleuropa bestand immer eine große Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Umso
größer ist die Freude, dass nun Berlin die Hauptstadt Deutschlands ist. Jetzt gilt es,
das Neue Berlin als weltoffene Metropole in Europa zu gestalten.
Man sollte die Rolle der Publizistik und der Medien dabei nicht über-, aber auch nicht
unterschätzen. Der Zusammenbruch der DDR ist durch die Fernsehberichterstattung des
Westfernsehens zumindest beschleunigt worden. Während in unserer Mediengesellschaft
inzwischen sehr viel öffentliche Inszenierung stattfindet, war und ist der Berliner
Presse Club ein Ort des vertraulichen Dialogs zwischen den Medienvertretern und den
politischen Akteuren, von dem beide Seiten profitieren. Im Berliner Presse Club waren
alle Bundespräsidenten und alle Bundeskanzler zu Gast, aber auch fast alle Bundesminister
und -ministerinnen, natürlich auch die Regierenden Bürgermeister von Berlin sowie
wichtige Senatorinnen und Senatoren. Der Club war aber stets mehr an der Bundespolitik
und der internationalen Politik als an der Landespolitik interessiert. Es ging auch
mehr um langfristige Tendenzen und grundsätzliche Fragen als um kurzfristige
Tagespolitik. Dabei wissen die Gäste aus Politik und übriger Gesellschaft zu schätzen,
dass man sich auf die Vertraulichkeit im Berliner Presse Club unbedingt verlassen kann.
Es werden nicht nur Fragen gestellt, sondern auch kontroverse Meinungen vorgetragen
und begründet.
Die Gästebücher des Berliner Presse Clubs seit Anfang der sechziger Jahre sind Dokumente
der Zeitgeschichte. Sie erinnern an die wechselnden Funktionen verschiedener Ehrengäste.
So war z.B. Willy Brandt zunächst als Regierender Bürgermeister mehrmals zu Gast, später
als Außenminister und dann als Bundeskanzler und schließlich als SPD-Vorsitzender.
Richard von Weizsäcker besuchte den Club schlicht als MdB, dann als Kandidat für das
Amt des Regierenden Bürgermeisters, anschließend als Regierender Bürgermeister und
später mehrmals als Bundespräsident. Hans-Jochen Vogel war zuerst als Minister zu
Gast, dann kurzfristig als Regierender Bürgermeister und später mehrmals als
Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Wolfgang Schäuble findet sich in den
Gästebüchern als Chef des Bundeskanzleramtes, als Innenminister, als Verhandlungsführer
mit der DDR und als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Angela Merkel machte
die Bekanntschaft des Clubs als stellvertretende Regierungssprecherin von Lothar de
Maizière. Sie war dann als Bundesministerin für Frauen und Jugend, später als
Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, danach als
Generalsekretärin der CDU und schließlich als Vorsitzende der CDU zu Gast
im Berliner Presse Club.
Zu den Ehrengästen des Berliner Presse Clubs gehörten die verschiedenen
Stadtkommandanten und Botschafter der Schutzmächte, deren Presse-Attachés
den Status von Gastmitgliedern des Clubs hatten. Gäste des Clubs waren u.a.
auch der ehemalige amerikanische Oberkommissar Mr. John McCloy zusammen mit
Shepard Stone, Henry Kissinger, General Lucius D. Clay sowie der Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General Alexander M. Haig jr. Die
innerdeutschen Beziehungen spielten eine ganz besondere Rolle. Die jeweiligen
Minister für gesamtdeutsche Fragen waren ebenso häufige Gäste wie später die
jeweiligen Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der DDR. Den Club
zeichnete aber auch eine große Offenheit für die Entwicklungen in Ost- und
Mitteleuropa aus. Unvergessen ist für die Teilnehmer der Besuch des ungarischen
Reform-Politikers Imre Pozsgay am 26. Mai 1989 kurz vor Öffnung des Eisernen
Vorhangs. Günter Matthes hat diesem Besuch und den sensationellen Äußerungen
Pozsgays im Tagesspiegel einen Kommentar gewidmet. Der spätere polnische
Außenminister und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels,
Professor Dr. h.c. Wladyslaw Bartoszewski, war noch zu Zeiten der Opposition
zwei Mal Gast des Berliner Presse Clubs. Beim Jahresessen 1995 war der
Botschafter der Republik Polen, S.E. Janusz Reiter, am 24. Februar im Hotel
Steigenberger der Gastredner.
Neben den verschiedenen politischen Hintergrundkreisen, in denen meistens
politische Sympathisanten versammelt werden, behält der Berliner Presse Club
als parteipolitisch neutrale Plattform eine besondere Bedeutung, weil der Gast
hier die Repräsentanten der Hauptstadtmedien und die wichtigsten Korrespondenten
antrifft, aber auch Vertreter aller Medien, seien sie öffentlich-rechtlich oder
privat. Die bekannten Namen der Mitglieder und ihre journalistische Kompetenz
begründen den Ruf dieses Hauptstadt-Presseclubs.
Im Jahre 1995 wurde eine grundlegende Satzungsänderung beschlossen. Ziel war
eine Angleichung an die Struktur des Deutscher Presseclub e.V., um eine
Zusammenarbeit und eine eventuelle Fusion in Berlin zu erleichtern. Danach
gibt es seitdem verschiedene Kategorien von Mitgliedern:
- Ordentliche Mitglieder: Journalisten und Journalistinnen (nicht mehr Publizisten)
aus Berlin und Brandenburg
- Gastmitglieder: Journalisten und Journalistinnen aus anderen Bundesländern
- Korrespondierende und Fördernde Mitglieder (z.B. Verleger und Hochschullehrer
sowie Pressereferenten aus Verwaltungen und Wirtschaft).
Man kann sich um die Aufnahme nicht bewerben, sondern nur von zwei ordentlichen Mitgliedern
zur Aufnahme vorgeschlagen werden. Über die Aufnahme entscheidet dann der Vorstand, und zwar
einstimmig; es darf also kein Veto geben. Ein eventuelles Veto muß in vertraulicher
Diskussion im Vorstand sachlich begründet werden. Entscheidendes Kriterium ist die
Gewährleistung der Vertraulichkeit.
In den Fünfziger Jahren nach der Gründung wechselten sich führende Berliner Publizisten
im Vorsitz ab. Dabei bleibt zu beachten, dass der Vorsitzende und sein Stellvertreter
in der Außenvertretung gleichberechtigt sind, und zwar jeder einzeln. In den Jahren
1952 und 1953 war Walther Karsch Vorsitzender und Dr. Franz Rupp stellvertretender
Vorsitzender. Es folgten 1954 und 1955 Maximilian Müller-Jabusch als Vorsitzender und
Walter Kahnert als stellvertretender Vorsitzender. Im Jahr 1956 übernahm
Helmut Meyer-Dietrich den Vorsitz und Walter Kahnert blieb stellvertretender
Vorsitzender. Arno Scholz folgte 1957 als Vorsitzender und Helmut Meyer-Dietrich
wurde stellvertretender Vorsitzender. Im Jahr darauf (1958) war Helmut Meyer-Dietrich
wieder Vorsitzender und Arno Scholz sein Stellvertreter. Im Jahr 1959 wurde
Dr. Karl Silex Vorsitzender und Arno Scholz blieb stellvertretender Vorsitzender.
Im folgenden Jahr 1960 wurde Arno Scholz Vorsitzender und Dr. Karl Silex sein Stellvertreter.
Im Jahr 1961 begann dann die Ära Dr. Hans Hirschfeld, der den Vorsitz bis 1970
inne hatte; stellvertretender Vorsitzender war in dieser Jahren Günter Matthes,
Lokalchef des Tagesspiegels. Nach zehn Jahren übernahm Günter Matthes dann im
Jahre 1971 den Vorsitz und Hans Ulrich Kersten, Korrespondent verschiedener
Zeitungen, seit 1965 bereits Schriftführer, wurde stellvertretender Vorsitzender.
Im Jahre 1972, als Matthes nicht mehr kandidierte, wurde Hans-Ulrich Kersten
Vorsitzender. Diese Funktion behielt er bis 1989. Er hat den Club als Vorsitzender
mit am längsten geprägt und sich in schwieriger Zeit große Verdienste um die
Berliner Publizistik erworben. Als stellvertretender Vorsitzender stand ihm
Prof. Herbert Kundler (RIAS) von 1972 bis 1985 zur Seite. Hans Joachim Werbke
(NDR) folgte dann von 1985 bis 1989 als stellvertretender Vorsitzender.
Nach siebzehn Jahren wünschten die Mitglieder einen Wechsel und eine gewisse
Verjüngung im Vorstand. In der Mitgliederversammlung des Jahres 1989 wurde
Adalbert Rohloff, zu dieser Zeit Geschäftsführer der Projektgesellschaft für
Kabelkommunikation, auf Vorschlag von Werbke zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Zuvor war Rohloff (damals Chefredakteur der "Berliner Wirtschaft") von 1976
bis 1989 schon Vorstandsmitglied als Schatzmeister des Clubs. Rohloff blieb
bis 2001 ununterbrochen Vorsitzender, immer wieder mit großer Mehrheit gewählt.
In den neunziger Jahren der Hauptstadt-Werdung musste sich der Berliner Presse
Club nach der Wiedervereinigung neu positionieren und sich im Wettbewerb mit
weiteren Hintergrundkreisen behaupten, besonders im Wettbewerb mit dem
Deutscher Presseclub e.V., der das Angebot einer engen Zusammenarbeit in
Berlin ausgeschlagen hat.
Als stellvertretende Vorsitzende standen Rohloff die folgenden Kollegen und
Kolleginnen zur Seite: Dr. Peter Jochen Winters (FAZ) von 1989 bis 1997,
Dr. Monika Zimmermann (Der Tagesspiegel) von 1997 bis 1998, Renate Bütow
(ARD) von 1998 bis 2000, Rainer Sütfeld von 2000 bis 2001.
Auf Vorschlag von Adalbert Rohloff wurde Rainer Sütfeld in der Mitgliederversammlung
des Jahres 2001 zum neuen Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter wurde
Dr. Christoph Freiherr von Marschall (Der Tagesspiegel). Zur Schriftführerin
wurde Evelyn Fischer (Radio Bremen) gewählt. Wilhelm-Dietrich von Thadden blieb
Schatzmeister. Der neue Vorstand mit seinen vier Beisitzern hat den Berliner
Presse Club weiter verjüngt und erfolgreich als führenden Hauptstadt-Presseclub
positioniert.
Während der Berliner Presse Club ursprünglich als reiner Herren-Club gegründet
wurde und sich lange Zeit mit der Aufnahme von Journalistinnen schwer tat, wurde
nun im Jubiläumsjahr nach 50 Jahren erstmals eine Kollegin zur Vorsitzenden
gewählt, nämlich Evelyn Fischer (jetzt Deutsche Welle), die zuvor schon viele
Jahre als Beisitzerin aktiv im Vorstand mitgewirkt hat.
Rainer Sütfeld, der beruflich ins Ausland wechselt, stand für den Vorsitz nicht
mehr zur Verfügung. Als stellvertretender Vorsitzender wurde Dr. Christoph von
Marschall wieder gewählt. Wilhelm-Dietrich von Thadden bleibt Schatzmeister.
Zum Schriftführer wurde Peter Kleim (RTL) neu gewählt. Als Beisitzer wurden
gewählt: Dr. Ulrike Bosse (NDR), Christoph Lanz (Deutsche Welle)
Frank Rafalski (dpa) sowie Jochim Stoltenberg (Berliner Morgenpost).
Beim Rückblick auf die Geschichte von 50 Jahren wird aus den Unterlagen
deutlich, dass auch die jeweils vier Beisitzer im Vorstand als Repräsentanz
illustrer Mitglieder immer eine wichtige Rolle gespielt haben. Stellvertretend
für viele engagierte Kollegen sei Gottfried Vetter (NDR) genannt, der dem
Vorstand fast drei Jahrzehnte in dieser Funktion angehörte.
Bemerkenswert ist in der Club-Entwicklung eine große Kontinuität des Schatzmeisters
und des Schriftführers im gesetzlichen Vorstand. Von der Gründung bis 1964 war
Dr. Johann B. Gradl ununterbrochen Schatzmeister; es folgten von 1964 bis 1969
Dr. Jürgen Reiss, von 1969 bis 1976 Herbert Krafft, von 1976 bis 1989
Adalbert Rohloff und seither Wilhelm-Dietrich von Thadden. Der Gründungsvorsitzende‚
Walther Karsch war dann von 1954 bis 1965 Schriftführer; es folgten von 1965 bis
1970 Hans Ulrich Kersten, von 1970 bis 2000 Egbert Steinke,
2000 Dr. Christoph von Marschall, 2001 Evelyn Fischer und 2002 Peter Kleim.
Hinter solchen Daten verbirgt sich beispielhaftes Club-Engagement.
Der Berliner Presse Club war bisher ein virtueller Club ohne festes Haus.
Er wurde im Hotel am Zoo gegründet. Das 10jährige Bestehen wurde in Brüningslinden
gefeiert, das 20jährige im Gehrhus sowie mit einem Empfang im Berlin-Museum.
Haupt-Tagungsort war lange das Hotel Berlin und später das Hotel Steigenberger.
Veranstaltungen fanden aber auch in der Europäischen Akademie sowie in der Katholischen
Akademie statt. Presseclub-Räume im Haus der Bundespressekonferenz mit der
Bewirtschaftung durch Viehhauser waren nur ein kurzes Zwischenspiel. Dem neuen
Vorstand ist es zu danken, dass der Club jetzt im dbb-Forum an der Friedrichstraße
in Berlins alter und neuer Mitte einen festen und angemessenen Standort gefunden hat.
A.R.
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